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Als Rote Brigaden (italienisch Brigate Rosse) bezeichnete sich eine linksextreme Gruppe in Italien, die in verschiedene Zellen unterteilt war. Sie versuchte mit dem bewaffneten Kampf als Mittel der Propaganda, eine marxistische (nicht zu verwechseln mit der de facto real existierenden sowjetischen) Gesellschaftordnung zu errichten. Die letzte Organisation dieses Namens war von etwa 1970 bis Mitte der 1980er Jahre in Italien aktiv.

Organisation und AktionsformenBearbeiten

Die Roten Brigaden waren eine aus etwa 50 - 60 aktiven Mitgliedern bestehende Organisation, die für eine Vielzahl politischer Morde verantwortlich gemacht wurde, die häufig auch mit Erpressungen einher gingen. Ansonsten werden der Organisation Entführungen, Attentate und Sprengstoffanschläge zugerechnet. Die Roten Brigaden finanzierten sich sowohl über "proletarische Enteignungsaktionen", d.h. den bewaffneten Überfall, als andererseits auch durch im Auftrag Anderer (nicht selten auch politisch entgegengesetzt Denkender) gegen Geld ausgeführte Anschläge und Morde. Die häufigsten Ziele dieser Überfälle waren Banken in ganz Italien. Nachdem Magherita Cagol am 5. Juni 1975 nach ihrer Verhaftung von der italienischen Polizei erschossen wurde (ein beteiligter Genosse sprach von einer Exekution. Die Autopsie ergab, dass Magherita durch einen einzigen Schuss in die Seite getötet wurde, während sie ihre Arme erhoben hatte) und ihr Mann Renato Curcio am 18. Februar 1976 verhaftet wurde, begann der Abstieg der Roten Brigaden. Cagol und Curcio waren die zwei wohl mächtigsten Führer der Roten Brigaden. Als Folge der Verhaftung Curcios und des Todes von Cagol wurde Hardliner Moretti Chef der Brigaden.

Nach dem MachtwechselBearbeiten

Nachdem Moretti die Macht innerhalb der RB übernommen hatte, wurde das Vorgehen der Brigaden immer aggressiver und die Tötung von Menschen wurde zum Mittel ihres Kampfes. Die Roten Brigaden konnten 1982/83 von den Justizbehörden zerschlagen werden, nachdem sie wegen der Entführung und Ermordung von Aldo Moro, dem Parteivorsitzenden der Democrazia Cristiana im Jahre 1978, viel Rückhalt in der Arbeiterschaft verloren hatte.

Unterwanderung der Roten Brigaden durch die GeheimdiensteBearbeiten

Wie aus den Ermittlungen einer parlamentarischen Kontrollkommission Anfang der neunziger Jahre hervorgeht, waren 1974 schon mehrere Agenten in die BR eingeschleust worden. Einer von ihnen ist Francesco Marra gewesen, der als Fallschirmjäger in einem italienischen NATO-Stützpunkt auf Sardinien stationiert war und bei der Gladio-Spezialgruppe ausgebildet wurde. Die Gladio-Gruppe war eine Spezialeinheit der NATO, dort geführt unter dem Namen "stay behind". Die "Gladiatoren", europaweit dürften es über 15.000 gewesen sein, unterstanden maßgeblich der CIA. Marra war es, der nach späteren Aussagen von Renato Curcio nach der Entführung des Genueser Gerichtsvorsitzenden Mario Sossi 1974 für dessen Exekution plädierte. Die Führungsriege der Roten Brigaden lehnte das ab. Auch in die Entführung von Aldo Moro scheint Gladio verwickelt gewesen zu sein: Fünf Leute im Auto wurden getroffen. Moro selber blieb unverletzt: Der BR-Chef Moretti gab Jahre später im Wortlaut zu Protokoll, dass es "mit der militärischen Präzision der BR nie weit her gewesen ist", bei dem Aktionsablauf seien "keine hervorragenden Schützen" gewesen. Bei einem habe die Maschinenpistole gar Ladehemmungen gehabt. Trotzdem wurden, auch das kommt erst Jahre später heraus, am Tatort 93 Patronenhülsen gefunden. Knapp die Hälfte war mit militärischem Speziallack überzogen, der nur bei den Gladio-/NATO-Truppen verwendet wurde. Munition mit dem Lacküberzug konnte man für einen längeren Zeitraum vergraben.

Literatur Bearbeiten

Siehe auch Bearbeiten

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