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Vermeintliches Symbol der Vril-Gesellschaft

Die Vril-Gesellschaft ist die Anfang bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland existiert haben soll. In einer Reihe von verschwörungstheoretischen und pseudohistorischen Texten wird behauptet, sie sei am Aufstieg des Nationalsozialismus beteiligt gewesen und habe übernatürliche Energien dazu benutzt, während der Zeit des Nationalsozialismus innovative Fluggeräte zu entwickeln (so genannte „NS-“ oder „Reichsflugscheiben“). Karl Haushofer wird manchmal als Gründer angegeben.[1] Die Verschwörung hängt von den Skeptikern ab, dass es keine historischen Beweise für die Existenz eines Geheimbundes dieses Namens und der ihm zugeschriebenen Dienste gibt.

Vril-KraftBearbeiten

Benannt soll die Gesellschaft nach "Vril" einer Geheimnisvollen mystischen Urkraft sein, die die Mitglieder für sich nutzbar machen können. Durch jene mystische Kraft und die ihre "Weisheit", soll es dem Orden gelungen sein die Reichsflugscheibe zu bauen, Kontakt zu außerirdischen auf dem Aldebaran aufzunehmen, eine "Superrasse" in der hohlen Erde aufzuspüren und natürlich eine Zeitmaschine zu bauen.[1]

Erste Erwähnung Bearbeiten

The Coming Race

Buchcover von 1871. Das Rasse kommen

Die erste bekannte Erwähnung der "Vril"-Kraft ist der Roman "The Coming Race" (Das Rasse kommen) dem englischen Schriftstellers Edward Bulwer-Lytton. In dem Roman geht es um eine unter der Erdoberfläche lebenden Überrasse.[1]

Helena Blavatsky Bearbeiten

Helena Blavatsky und andere okkultistische Autoren übernahmen den Begriff „Vril“ als Synonym für geheime Naturkräfte, die nur durch Magie genutzt werden könnten.[2] In Blavatskys Erstwerk Isis unveiled (Die entschleierte Isis), (1877) wurde „Vril“ als reale, eigenständig wirkende Kraft dargestellt.[3]

Helena Petrovna Blavatsky

Helena Blavatsky

In ihrem zweiten Buch The secret doctrine (Die Geheimlehre) beschrieb sie 1888, dass die Einwohner von Atlantis Vril zum Bau kolossaler Bauwerke eingesetzt hätten. Nach dem Untergang von Atlantis hätte eine kleine Gruppe überlebender Priester dieses Wissen bewahrt und nur an Auserwählte weitergegeben.[4] Diese psychische Energie soll demnach die Beherrschung der gesamten Natur erlauben.[5] Mehrere Bücher erwähnen einen 1904 in London gegründeten Vril-ya-Club, der sich dieser Thematik angenommen haben soll.[6] In der New Thought-Bewegung werden die Schriften Bulwer-Lyttons tradiert.[7]

Besonders folgenreich war es, dass der Theosoph William Scott-Elliot in seinem 1896 erschienenen The Story of Atlantis (dt. Atlantis nach okkulten Quellen) das Vril im Zusammenhang mit Luftschiffen beschrieb, als deren Antriebskraft es diente. Diese schon in The Coming Race beschriebene Eigenschaft des Vril wurde durch die explizite Atlantis-Assoziation Scott-Elliots zu einer Hauptreferenz für bestimmte Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg.[8]

Die GesellschaftBearbeiten

Vergleiche: Thule-Orden

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich zahlreiche verschwörungstheoretische und pseudohistorische Deutungen des Dritten Reiches, in denen okkulte Elemente eine zentrale Rolle spielten. In diesem Zusammenhang wurden auch das „Vril“-Konzept . Der früheste Bezug auf eine angebliche Geheimgesellschaft mit dem Namen „Vril-Gesellschaft“ lässt sich in einer Publikation aus dem Jahre 1960 nachweisen. Seither wurde das Thema bis in die jüngste Zeit in mehreren Varianten in der verschwörungstheoretischen und esoterischen Literatur immer wieder aufgegriffen.[9] Während die ersten Varianten dieser Legende noch den Nationalsozialismus ablehnten, dienen neuere Versionen der Legende direkt oder indirekt einer Umdeutung des Dritten Reiches.[10]

Zum ersten Mal[11] wurde die Existenz einer „Vril-Gesellschaft“ von den französischen Autoren Louis Pauwels und Jacques Bergier behauptet. Sie vertraten in ihrem 1960 erschienenen Buch Le matin des magiciens (Aufbruch ins dritte Jahrtausend[12]) die These, die NS-Führungsriege habe versucht, Allianzen mit übernatürlichen Mächten einzugehen. In diesen Bestrebungen habe eine okkulte Geheimgesellschaft eine zentrale Rolle gespielt. Unter Berufung auf die Aussagen Willy Leys sowie aufgrund angeblich selbst durchgeführter, aber nicht weiter spezifizierter Recherchen behaupteten sie, dieser Bund habe sich „Vril-Gesellschaft“ oder auch „Die Loge der Brüder vom Licht“ (engl. „Luminous Lodge“) genannt. Die „Vril-Gesellschaft“ habe enge Kontakte zur Theosophischen Gesellschaft, den Rosenkreuzern und insbesondere zur Thule-Gesellschaft unterhalten und sei eine wichtige NS-Organisation gewesen.

Siehe auchBearbeiten


Germanenorden | Thule-Gesellschaft | Thule-Orden | Vril-Gesellschaft | Ahnenerbe


Neutempler-Orden | Guido-von-List-Gesellschaft | Armanen-Orden


SS | Odessa


Brigade Ehrhardt | Organisation Consul | Bund Wiking


Tannenbergbund | Deutschvolk | Bund für Deutsche Gotterkenntnis


EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 Wikipedia Deutsch, Vril-Gesellschaft
  2. Marco Frenschkowski: Die Geheimbünde. Eine kulturgeschichtliche Analyse. Marixverlag, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-86539-926-7. S. 168–172.
  3. Strube, 2013, S. 65–69
  4. Goodrick-Clarke, 2004, S. 24–25
  5. Goodrick-Clarke, 2002, S. 113
  6. David Seed: Introduction. In: Edward Bulwer-Lytton: The Coming Race. Wesleyan University Press, 2005, S. xl–xli
  7. Strube, 2013, S. 71–74
  8. Strube, 2013, vor allem S. 69ff.
  9. Strube, 2013, S. 126–142
  10. Goodrick-Clarke, 2002, 2004; Hakl, 2004; Strube, 2012; Strube, 2013, S. 142–189
  11. Goodrick-Clarke, 2004, S. 187–189; Hakl, 2004, S. 194; Strube, 2013, S. 126–142
  12. Pauwels & Bergier, 1976, S. 302–393

LiteraturBearbeiten

  • Julian Strube: Vril. Eine okkulte Urkraft in Theosophie und esoterischem Neonazismus. Wilhelm Fink Verlag, München/Paderborn 2013, ISBN 978-3-7705-5515-4.
  • Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Wiesbaden: Marix-Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-48-7 (Neuauflage d. ersten deutschsprachigen Ausgabe von 1997)
  • Nicholas Goodrick-Clarke: Black Sun: Aryan Cults, Esoteric Nazism and the Politics of Identity. New York UP, New York 2002, ISBN 0-8147-3124-4, deutsch: Im Schatten der „Schwarzen Sonne“. Arische Kulte, esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung. Marix, Wiesbaden 2009
  • Louis Pauwels, Jacques Bergier: Aufbruch ins dritte Jahrtausend. Von der Zukunft der phantastischen Vernunft. Wilhelm Heyne Verlag, München, 1976, ​ISBN 3-453-00638-0​ (wersja kieszonkowa nie zmieniona pierwszego niemieckojęzycznego wydania z roku 1962)

WeblinksBearbeiten

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